Wie gehen wir mit unserer Privatsphäre im digitalen Zeitalter um?
  • Erster Privacy Workshop mit Eltern

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    25. September 2009simoncolumbusWorkshops

    Am letzten Wochenende haben wir mit dem Privacy Workshop Project Neuland betreten und das erste Mal einen Workshop mit Eltern durchgeführt.

    Nachdem wir seit einiger Zeit mit Kindern arbeiten empfanden wir es als nötig, auch die Eltern in unsere Bemühungen einzuschließen, Kinder im Umgang mit ihrer Privatsphäre auszubilden. Also haben wir Eltern der Schule eingeladen, an der wir die letzten beiden Workshops durchgeführt haben. Es gibt zwei Veranstaltungen, eine am vergangenen und eine am kommenden Wochenende, auch wenn es scheint, als hätten wir das Interesse an unserem Thema etwas überschätzt, sodass wir am Samstag fünf Trainer und nur vier Eltern waren.

    Wir hatten uns entschieden, eine abgespeckte Version unserer üblichen Workshops mit den Eltern zu machen, was sich als vernünftig erwies. Die Kinder sind offensichtlich geübter im Umgang mit Internettechnologie und daher auch schneller, wenn es um das Erkunden neuer Programme geht.

    Für die Eltern haben wir mit einer Version des Vortrags begonnen, den Christoph letztes Jahr auf dem Chaos Communication Congress gehalten hat. Er hat eine klare Aussage: Das Internet ist großartig für Kommunikation, aber man muss sich auch dort verantwortungsbewusst verhalten. Christoph nutzt gerne die Metapher eines Marktplatzes für das Netz, um das zu verdeutlichen: Man kann sich dort frei bewegen, Leute treffen, kommunizieren – aber man sollte nicht mittags um zwölf nackt durch die Gegend rennen und die Namen seiner Sexualpartner rufen.

    Daran habe ich angeschlossen, als ich die grundsätzliche Struktur von Sozialen Netzwerken erklärt habe (keiner unserer Teilnehmer hat dort ein eigenes Profil, was ich auch für die Generation meiner Eltern überraschend finde). In meiner Einführung in die Privatsphäre-Einstellungen von Sozialen Netzwerken habe ich betont, dass es wichtig ist, eine Balance von Offenheit und Privatsphäre herzustellen. Einerseits ermöglicht Offenheit Kommunikation und soziale Interaktion, dich ich für ein menschliches Grundbedürfnis halte. Andererseits kann zuviel Offenheit auch die Zukunftsaussichten von Kindern schädigen.

    Während wir zwar einige extreme Beispiele dafür gezeigt haben, wie man sich in Sozialen Netzwerken nicht verhalten sollte, haben wir auch vor Informationen gewarnt, die sich nur indirekt in den Profilen finden lassen. Der “Gaydar Algorithmus”, mit dessen Hilfe sich homosexuelle Facebook-Mitglieder anhand der sexuellen Präferenzen ihres Freundeskreises outen lassen, ist ein gutes Beispiel dafür.

    Wie üblich wurde dieser theoretische Einstieg komplementiert von einer praktischen Phase. Wir haben den Eltern beigebracht, wie man TrueCrypt für Datenverschlüsselung verwendet. Ich denke, diese Software ist auch das Programm, das am ehesten für die Eltern direkt nützlich sein kann. Als “digitale Einwanderer” waren unsere Teilnehmer nicht so schnell darin, das Programm zu erkunden, wie ihre Kinder. Am Ende hat es aber gut funktioniert.

    Es ist offensichtlich, dass, wenn man Privacy Workshops mit Eltern durchführt, die Balance dazwischen finden muss, einerseits die Schwierigkeiten anzusprechen, die Kinder bei der Nutzung des Sozialen Webs erleben und andererseits die Eltern bei ihrer eigenen Situation abzuholen. Ich denke, wir waren durchaus gut darin, Gefahren zu verdeutlichen, ohne den Eltern Angst zu machen. Denn wir alle sind ja begeistert von den Möglichkeiten, die das Soziale Web bietet, und wir wollen, dass die Kinder es nutzen. Das funktioniert nicht, wenn wir die Eltern zu Cyberpessimisten machen – wir müssen sie im Gegenteil dazu befähigen, selbst Verantwortung zu übernehmen und ihre Kinder zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Sozialen Medien zu erziehen.

One Response to “Erster Privacy Workshop mit Eltern”

  1. [...] FoeBuD e.V. hat ein Review zum ersten Privacy Workshop mit Eltern veröffentlicht. Geschrieben von jot*be in The.Web um 21:30 | Kommentare (0) | Trackbacks [...]